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German Holy Bible - Luther Wordproject Bible
35 verses
1Hiob antwortete und sprach:
2Ja, ich weiß sehr gut, daß es so ist und daß ein Mensch nicht recht behalten kann gegen Gott.
3Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten.
4Gott ist weise und mächtig; wem ist's je gelungen, der sich gegen ihn gestellt hat?
5Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden; er kehrt sie um in seinem Zorn.
6Er bewegt die Erde von ihrem Ort, daß ihre Pfeiler zittern.
7Er spricht zur Sonne, so geht sie nicht auf, und versiegelt die Sterne.
8Er allein breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers.
9Er macht den Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens.
10Er tut große Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind.
11Siehe, er geht an mir vorüber, ohne daß ich's gewahr werde, und wandelt vorbei, ohne daß ich's merke.
12Siehe, wenn er wegrafft, wer will ihm wehren? Wer will zu ihm sagen: Was machst du?
13Gott wehrt seinem Zorn nicht; unter ihn mußten sich beugen die Helfer Rahabs.
14Wie sollte denn ich ihm antworten und Worte finden vor ihm?
15Wenn ich auch recht habe, so kann ich ihm doch nicht antworten, sondern ich müßte um mein Recht flehen.
16Wenn ich ihn auch anrufe, daß er mir antwortet, so glaube ich nicht, daß er meine Stimme hört,
17vielmehr greift er nach mir im Wettersturm und schlägt mir viele Wunden ohne Grund.
18Er läßt mich nicht Atem schöpfen, sondern sättigt mich mit Bitternis.
19Geht es um Macht und Gewalt: Er hat sie. Geht es um Recht: Wer will ihn vorladen?
20Wäre ich gerecht, so müßte mich doch mein Mund verdammen; wäre ich unschuldig, so würde er mich doch schuldig sprechen.
21Ich bin unschuldig! Ich möchte nicht mehr leben; ich verachte mein Leben.
22Es ist eins, darum sage ich: Er bringt den Frommen um wie den Gottlosen.
23Wenn seine Geißel plötzlich tötet, so spottet er über die Verzweiflung der Unschuldigen.
24Er hat die Erde unter gottlose Hände gegeben, und das Antlitz ihrer Richter verhüllt er. Wenn nicht er, wer anders sollte es tun?
25Meine Tage sind schneller gewesen als ein Läufer; sie sind dahingeflohen und haben nichts Gutes erlebt.
26Sie sind dahingefahren wie schnelle Schiffe, wie ein Adler herabstößt auf die Beute.
27Wenn ich denke: Ich will meine Klage vergessen und mein Angesicht ändern und heiter bleiben,
28so fürchte ich doch wieder alle meine Schmerzen, weil ich weiß, daß du mich nicht unschuldig sprechen wirst.
29Ich soll ja doch schuldig sein! Warum mühe ich mich denn so vergeblich?
30Wenn ich mich auch mit Schneewasser wüsche und reinigte meine Hände mit Lauge,
31so wirst du mich doch eintauchen in die Grube, daß sich meine Kleider vor mir ekeln.
32Denn er ist nicht ein Mensch wie ich, dem ich antworten könnte, daß wir miteinander vor Gericht gingen.
33Daß es doch zwischen uns einen Schiedsmann gäbe, der seine Hand auf uns beide legte!
34Daß er seine Rute von mir nehme und mich nicht mehr ängstige!
35So wollte ich reden und mich nicht vor ihm fürchten, denn ich bin mir keiner Schuld bewußt.